|
Fernbehandlung im Wohnzimmer?Neue Studie zu Potenzialen von Telemedizin in Kürze verfügbar
Der demographische Wandel fordert auch im Bereich der Gesundheitsversorgung neue Wege. Die steigende Anzahl alter Menschen und der medizinische Fortschritt führen zu immer mehr und immer kostspieligeren Behandlungen, die vom jetzigen Gesundheitssystem kaum zu tragen sind. Um die Kosten trotzdem in den Griff zu bekommen und die Behandlung gleichzeitig so angenehm und reibungslos wie möglich zu machen, sind verzahnte Behandlungen nötig, in denen niedergelassene Ärzte mit ihren stationären Kollegen eng kooperieren und Informationen zwischen den Sektoren ausgetauscht werden. Die zunehmende Ambulantisierung der Medizin erfordert aber auch dem Patienten einiges ab: Er wird zu seinem eigenen Gesundheitsmanager, der mobil oder aus seiner Wohnung heraus dem Arzt Informationen zu seinem Gesundheitszustand zur Verfügung stellt und von diesem Feedback bekommt: Fernbehandlung im Wohnzimmer. Möglichkeiten und Grenzen der neuen Technologie Doch wollen Ärzte und Patienten diesen neuen Weg? Wo sehen sie Chancen, wo Gefahren? Diesen Fragen geht eine neue Studie nach, die das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST zusammen mit dem Institut für Sicherheit im E-Business und der Hochschule Niederrhein im Rahmen des Forschungsprojekts „E-Health@Home“ durchgeführt hat. Die Studie wird in Kürze als Langfassung erscheinen, einige Ergebnisse können schon genannt werden: Um Patienten über Organisationsgrenzen hinweg medizinisch und wirtschaftlich optimal zu versorgen, bedarf es einer effizienten Kommunikation und Informationsverteilung. Die Expertenbefragung, die im Rahmen dieser Studie unter Patienten und medizinischen Einrichtungen durchgeführt wurde, zeigt jedoch ein anderes Bild von der heutigen Wirklichkeit: Noch immer dominieren herkömmliche Kommunikationswege wie Telefon, Fax und Briefversand. Entsprechend häufig bemängeln die Befragten, dass ihnen wichtige Dokumente fehlen oder zu spät ankommen und dass an den Übergängen zwischen ambulantem und stationären Sektor Reibungsverluste entstehen, weil die Koordination unzureichend funktioniert. Eine informationstechnische Vernetzung fehlt vielerorts. Doch es gibt auch positive Signale: Der Einsatz von Telemedizin schreitet voran, bereits heute bietet knapp ein Fünftel der befragten medizinischen Einrichtungen, allen voran die Krankenhäuser, telemedizinische Dienstleistungen meist im Rahmen von Integrierten Versorgungsverträgen an. Die Mehrheit sieht in Telemedizin eine Chance, zugunsten einer optimierten Patientenbehandlung mit anderen Fachgruppen zu kooperieren. Durch rechtzeitiges Agieren kann beispielsweise die Zahl der Krankenhauseinweisungen verringert werden. Aufklärung erhöht die Aktzeptanz Patienten werden heute noch wenig in den Behandlungsprozess integriert. Dabei besteht seitens der Patienten ein großes Interesse an der Nutzung von Informationstechnologien für Gesundheitsbelange. Dieses äußert sich insbesondere in der eigenverantwortlichen Recherche im Internet nach Gesundheitsinformationen. Informationen zu medizinischen Einrichtungen und deren Qualität finden die Befragten ebenso interessant wie Informationen zum Krankheitsbild und zu den Therapiemöglichkeiten. Bei der Recherche achtet aber nur jeder Dritte darauf, ob die Informationen qualitätsgesichert sind. Jeder Fünfte erfährt durch die abgerufene Information eine Verunsicherung. In diesem Zusammenhang wurde von Patienten ein deutlicher Wunsch nach qualitätsgesicherten, vertrauenswürdigen Informationen geäußert. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass bei Patienten eine generelle Bereitschaft zur Einarbeitung in neue Technologien vorhanden ist, wobei sie lieber mit vertrauten Technologien agieren. Die Studie Sollten Sie an der Langfassung der Studie interessiert sein, informieren wir Sie gerne, sobald diese vorliegt. Bitte senden Sie dazu einfach eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten an info@isst.fraunhofer.de.
Der Autor: Dr. Wolfgang Deiters ist stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST Weitere Forschungsergebnisse präsentiert Ihnen Dr. Wolfgang Deiters am 04. und 05. November 2010 in Köln beim 1. Jahreskongress Demographic Challenge Potentiale und Perspektiven: Ideenfabrik für Wohnen, Arbeiten und Handel! zum Thema: "Status Quo im Ambient Assisted Living (AAL) Forschungsvision oder reif für die Praxis?"
|
|
||||||



