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Gut, dass wir darüber gesprochen haben |
![]() Kurt E. Becker | Kommentar von Kurt E. Becker zur Kommunikationskrise „Führen heißt ja nicht zuletzt, Orientierung geben, die Nordrichtung zeigen, durch Information Handlungsgrundlagen schaffen – kurz: Verantwortung übernehmen.“ In einem kritischen Kommentar zur Wirtschaftskrise und der daraus folgenden Krisenkommunikation lässt der Autor seinen Gedanken freien Lauf. Lassen Sie sich darauf ein, lesen Sie mehr über Verantwortung von Führungskräften und machen Sie den Schritt aus dem verwirrenden Kommunikationsnebel! |
Die Krise ist da.
Ja. In der Wirtschaft im Allgemeinen. Und in der Immobilienwirtschaft im Besonderen. Und diese Krise hat viele Dimensionen. Eine davon: die Kommunikation der Unternehmen gegenüber der Öffentlichkeit, aber auch gegenüber der eigenen Belegschaft. Und im Zentrum der Kommunikationskrise: jene Führungskräfte, die ihrer Kommunikationsverantwortung nicht gerecht werden, sich stattdessen abschotten und nur noch aus der Deckung kommen, wenn die nächste Rationalisierungswelle angekündigt werden muss.
Von wegen Krisenkommunikation.
Die Kommunikation zahlreicher Unternehmen der Immobilienwirtschaft selbst steckt in der Krise, trägt nicht zu deren Lösung bei, sondern ist mit deren Ursache, zumindest aber deren Dynamo. Wer nämlich nicht kommuniziert, kann nicht auf Verständnis für notwendige Entscheidungen und schon gar nicht auf Vertrauen in die Führungskompetenz zum Beispiel von Seiten der Belegschaft oder der Kunden hoffen. Kommunikation nämlich ist eine Führungsaufgabe. Gerade in Krisenzeiten eine der wesentlichsten überhaupt. Führen heißt ja nicht zuletzt, Orientierung geben, die Nordrichtung zeigen, durch Information Handlungsgrundlagen schaffen – kurz: Verantwortung übernehmen. Und „Verantwortung“ wiederum impliziert, sich Fragen zu stellen, Antworten zu geben – der Öffentlichkeit über die Medien, vor allem jedoch den Kunden und den eigenen Mitarbeitern im persönlichen Gespräch oder aber über betriebsinterne Kommunikationsvehikel. Sollte es die (noch) nicht geben, dann ist die Krise eine gute Gelegenheit, genau die zu schaffen – als Not-Wendigkeit (Wende der Not). Denn ein jeder Mitarbeiter ist ein Botschafter seines Unternehmens. Und die von ihm weiter getragene Botschaft wird ihm vermittelt – von den Verantwortlichen, den Antwort-Gebern des Unternehmens.
Kein Missverständnis: Auch keine Antwort ist eine Antwort.
Ganz klar. Die schlechteste aller möglichen allerdings. Denn Schweigen als spezifischer Ausnahmezustand der Kommunikation entsteht aus Angst und - macht Angst. Lieber gar nichts als etwas Falsches sagen, lautet das Motto vieler Führungsverantwortlichen der Immobilienwirtschaft. Und dieses Motto verdeutlicht, dass weder das Führungs- noch das Verantwortungsprinzip verstanden worden ist. Schlimmer: Dieses Motto kennt nur noch die Angst als Ratgeber. Und die damit verbundene Botschaft ist so eindeutig, dass sie schlimmstenfalls als sozialer Transformator der Krise wirkt: Die Krise wird zur Katastrophe.
Noch ist es nicht so weit. Noch können die Verantwortlichen tun, was per definitionem ihre Aufgabe ist: Verantwortung übernehmen – und echte Krisenkommunikation, Kommunikation in der Krise, betreiben und damit im Gespräch Lösungen generieren. Der Rückzug ins autistische Schneckenhaus jedenfalls, das sagt uns jeder Psychotherapeut, ist keine Lösung sondern ein Irrweg, ein anthropogener Defekt quasi.
Zwar ist die wirtschaftliche Wirklichkeit unserer Tage im Allgemeinen und die immobile im Besonderen nicht zu verwechseln mit der Couch des Analytikers, einige Grundwahrheiten aus dem therapeutischen Gespräch können wir uns für die Krisenkommunikation dennoch entlehnen. Die Forderung nach unabdingbarer Ehrlichkeit zum Beispiel als Voraussetzung für jede Kommunikation – mit sich selbst. Nur, wer sich selbst gegenüber ehrlich ist, kann auch andern gegenüber jenes erforderliche Maß an Ehrlichkeit entwickeln, das einzig Katastrophen vermeidend wirkt. Oder die Aufforderung, offen zu sein, sich aktiv und passiv zu öffnen – offensiv mit der Wahrheit umzugehen, nichts zu vernebeln. Denn im Kommunikationsnebel verirren wir uns – schlimmstenfalls in unseren eigenen Labyrinthen. Genau dort aber müssen die Führungsverantwortlichen der Immobilienwirtschaft raus.
Wir alle stehen auf dem wankenden Grund der Ungewissheit. Wenigstens das ist gewiss und verbindlich verbindend. Und sich genau dieser Ungewissheit zu vergewissern, ist hilfreich an sich. Denn im Erkennen der gemeinsamen Lage entwickelt sich ein gemeinsames Krisenbewusstsein. Und das allein schon ist ein Signal der Läuterung und damit der erste (gewichtige) Schritt aus der Krise.
Gut, dass wir darüber gesprochen haben.
Kurt E. Becker ist Publizist und Mitinhaber der BSK Kommunikation GmbH, Willich und Düsseldorf.
| Autor: Kurt E. Becker, BSK Kommunikation GmbH, Willich und Düsseldorf |



