Heuer Dialog

Selbstgenutztes Wohneigentum – ein neues Marktsegment für die innere Stadt

Wie kann unsere Stadt attraktiver für Familien werden? Mit welchen Mitteln können wir diese davon abhalten, an den Stadtrand zu ziehen? Sicherlich – der Trend geht weg von der Grünen Wiese – dennoch machen sich viele deutsche Städte Gedanken darüber, wie ihre Innenstadt aufgewertet werden kann. Vorreiter für selbstgenutztes Wohneigentum in den 80er und 90er Jahren waren Berlin, Tübingen und Freiburg. In den letzten acht Jahren sind insbesondere Hamburg und Leipzig mit eigenen Programmen hinzugekommen. Christoph Scheffen von der selbstnutzer kompetenzzentrum für wohneigentum gmbh erläutert, welche Probleme es bei diesen Programme zu lösen gilt und wie die Stadt Leipzig fast 400 Familien auf dem Weg ins Wohneigentum begleitet hat.

Von der Grünen Wiese zurück in die Stadt
Zum Glück ist der Trend „Zurück in die Stadt“ auch bei vielen Familien aktuell. Nur gibt es im Gegensatz zum Häuschen auf der grünen Wiese in der inneren Stadt gleich mehrere Probleme. So sind die noch verfügbaren Leerflächen und Brachen meist für eine einzelne Familie zu groß und müssen parzelliert werden oder es müssen mehrere Partner für einen mehrgeschossigen Neubau gefunden werden. Ebenso ist ein typischer Altbau nur durch mehrere Eigentumswohnungen nutzbar. Somit stehen das Finden von geeigneten Partnern und die Zusammenführung dieser Partner zu einer Baugruppe im Zentrum aller Aktivitäten. Eine Stadt, welche die Ansiedlung dieser Familien fördern möchte, sollte deshalb eine neutrale Anlaufstelle schaffen, wo sich interessierte Familien treffen können. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass sich eine solche Gruppe leichter bei einem bereits vorausgesuchten Grundstück zusammenfindet als ohne.

Probleme bei der selbstorganisierten Ansiedlung
Bisher hat der Immobilienmarkt noch nicht mit spezifischen Angeboten für Baugemeinschaften und Baugruppen reagiert. Das liegt zum einen daran, dass solche Gruppen – haben sie sich einmal zusammengefunden – sehr stark auf die Selbstorganisation pochen und deshalb auch alle Prozesse der Wohnungsaufteilung, der Bestimmung des Ausbaustandards sowie die Auswahl von Architekten und Baufirmen selbst übernehmen möchten. Makler, die einen solchen Prozess begleiten würden, kämen mit der üblichen Maklercourtage auf das unsanierte Objekt nicht auf ihre Kosten, ebenso können Bauträger ein Lied davon singen, wie viele Umplanungen eines bereits fertig durchkalkulierten Projektes erforderlich sind, um dies an die Wünsche einer sehr individuell zusammengesetzten Baugruppe anzupassen. Somit steht die etablierte Immobilienwirtschaft noch etwas ratlos neben diesem Phänomen, das sich bisher mit Ausnahme von Tübingen und Freiburg eher in Marktnischen tummelt. Teilweise haben schon freie Baubetreuer die Chance ergriffen, für 3% der Gesamtkosten eine solche Gruppe von A-Z zu begleiten.

Integrative Zusammenarbeit aller Beteiligten
Aufgeschlossene Stadtverwaltungen stehen dem Modell der Baugruppen und Baugemeinschaften sehr wohlwollend gegenüber, da es ihnen hilft, innerstädtische Missstände anzugehen. Und gerade durch die Ansiedlung von Eigentümern kann die Wohnqualität in diesen Vierteln nachhaltig gesteigert werden. Dabei kommt es vor allem auf eine gute Verzahnung aller städtebaulichen und stadtplanerischen Instrumente an, um dieses Ziel zu erreichen. Dies betrifft sowohl die bauliche Verbesserung der öffentlichen Räume (Straßen, Parkflächen, Stadtteilparks) als auch die Unterstützung der lokalen Ökonomie (Förderung des Verbleibs traditioneller Geschäfte und Gaststätten) und die Beschäftigung mit partizipativen und sozialen Strukturen. Dabei kommt Ansätzen des Quartiermanagements und integrativen Programmen wie der „Sozialen Stadt“ eine steigende Bedeutung zu.

Ein gutes Beispiel mit Vorbildcharakter: Leipzig
Die Stadt Leipzig hat ihrem Förderprogramm für Baugemeinschaften und Baugruppen den prägnanten Begriff „selbstnutzer.de“ vorangestellt. Hier konnten mit Hilfe eines beauftragten Beratungsunternehmens fast 400 Familien auf dem Weg ins Wohneigentum begleitet werden, davon je zur Hälfte im Alt- und im Neubau. Dabei wurden über 60 Mio. Euro von den Selbstnutzern investiert. Die eingesetzten städtischen Mittel für Beratung und Moderation betrugen davon weniger als 2%. Für die Stadt ein gutes Geschäft, denn erstens konnte davon der größere Teil aus Städtebauförderprogrammen refinanziert werden, zweitens wurden keine weiteren Bauzuschüsse gewährt. Drittens konnten durch die Bauinvestitionen über 200 Arbeitsplätze im Bau- und Ausbaugewerbe erhalten werden, und – nicht zuletzt – vermied die Stadt weitere Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur am Stadtrand.

Das Leipziger Selbstnutzerprogramm macht inzwischen auch Schule, mehrere Städte in Sachsen und Sachsen Anhalt haben ebenfalls begonnen, nach diesem Vorbild eigene Programme aufzustellen. Am 18. und 19. Juni 2009 fand in Leipzig dazu ein nationaler Workshop im Rahmen des Bundesprogrammes „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ statt, auf dem über 20 Kommunen den in Leipzig erfolgreichen Ansatz diskutierten. Die Stadt Leipzig ist auch in Zukunft gerne dabei behilflich, ihre eigenen Erfahrungen mit dem Stadtumbau an andere Kommunen weiterzugeben. Anfragen sind zu richten an:


Christoph Scheffen
selbstnutzer kompetenzzentrum für wohneigentum gmbh
Jacobstraße 10 - 04105 Leipzig
Tel.:    0341 / 22 54 09 44
Fax:    0341 / 22 54 09 46
Mail:    info@selbstnutzer.de
Internet: www.selbstnutzer.de  oder  www.selbstnutzer-wohneigentum.de
 


Treffen Sie am 27. August 2009 Christoph Scheffen beim Immobilien-Dialog "Leipzig lockt mit stabiler Prognose – Angebot trifft auf Nachfrage!"  im City-Hochhaus in Leipzig.

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Autor: Christoph Scheffen, selbstnutzer kompetenzzentrum für wohneigentum gmbh E-Mail

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