Heuer Dialog

Hamburg wächst weiter – aber nicht überall



Matthias Klupp
Geschäftsleitung
Analyse & Konzepte GmbH, Hamburg

 Die Hamburger Stadtteile mit Zukunft

Die Hansestadt Hamburg ist seit 1998 um mehr als 70.000 Einwohner gewachsen. Dieser Bevölkerungszuwachs speist sich ganz wesentlich aus der Zuwanderung junger Haushalte zwischen 18 und 30 Jahren, die zu Ausbildung, Studium oder Berufsstart in die Metropole kommen und die Wirtschaftskraft und hohe kulturelle Attraktivität des Standorts zu schätzen wissen. In allen anderen Altersgruppen verliert Hamburg hingegen weiterhin mehr Einwohner als neu hinzukommen.  Welche Ansprüche junge Haushalte an das Wohnen haben, wo in Hamburg gewohnt werden will und wohin die Wohntrends gehen, erläutert Matthias Klupp, Mitglied der Geschäftsleitung der Analyse & Konzepte GmbH, hier in INSIGHT.

Neuer Trend im Wohnverhalten: „stay in the city“
Neben dem Zuzug vor allem junger Haushalte macht sich in Hamburg zunehmend auch eine Entwicklung bemerkbar, die man als "Stay in the City" bezeichnen kann. Bis vor einigen Jahren war es insbesondere für junge Familien ein stabiles Muster, ins Umland zu ziehen und dort ein "Häuschen im Grünen" zu beziehen. Natürlich gibt es diese Umlandwanderung nach wie vor in großem Umfang, daneben hat aber die Stadt - und hier vor allem die innere Stadt - als Wohnstandort gerade auch für jüngere Haushalte deutlich an Bedeutung gewonnen. Hierzu trägt zum einen die demographische Entwicklung bei, die Zahl der 1- und 2-Personen-Haushalte liegt in Hamburg inzwischen bei rd. 80 %. Zum anderen wollen aber auch junge Familien verstärkt in der Stadt bleiben. Vor dem Hintergrund steigernder Mobilitätskosten und -zeiten, einer besseren Erreichbarkeit z.B. von Kindergärten, Schulen und Kulturangeboten, sowie einer wachsenden Berufstätigkeit beider Elternteile gewinnt das Wohnen in möglichst zentralen Stadtteilen weiter an Bedeutung.

Wo und wie will gewohnt werden? Was ist angesagt?
Diese "urbanen" Haushaltsgruppen mit ihrem hedonistisch geprägten Lebensstil wollen nun nicht irgendwo in Hamburg wohnen. Ihre  Ansprüche an die Qualität der Wohnungen sowie das städtische Wohnumfeld steigen und sind sehr differenziert. Entsprechend werden bestimmte Stadtteile und Wohnquartiere stark nachgefragt, andere eher gemieden. Die Lagepräferenzen konzentrieren sich ganz stark auf einen Bereich, der von Barmbek-Süd über Winterhude, Eppendorf, Rotherbaum und Eimsbüttel bis hin nach Ottensen und Altona reicht ("Hamburger Banane"). Hinzu kommen noch St. Georg und Uhlenhorst östlich der Alster. Diesen Stadtteilen ist neben ihrer Zentralität gemein, dass sie über einen hohen Anteil attraktiver Gründerzeitbauten sowie ein breit gefächertes gastronomisches und kulturelles Angebot verfügen. Entsprechend ist der Nachfragedruck hier ganz besonders groß, und in der Folge kam bzw. kommt es in einigen Stadtteilen zu Aufwertungsprozessen sowie deutlichen Miet- und Kaufpreissteigerungen. Diese Entwicklung begann in St. Georg und Ottensen schon vor etwa 15 Jahren, sie ist dort weitgehend abgeschlossen. Derzeit stehen im Mittelpunkt  dieser "Gentrification" das Schanzen- und das Karolinenviertel sowie teilweise auch St. Pauli und die südliche Neustadt, wo "neue", zahlungskräftigere Haushalte verstärkt Einzug halten und diesen Quartieren schon die Bezeichnung "Latte Macchiato-Stadtteile" eingebracht haben. Diese Attraktivität muss aber nicht unbedingt auch mit einem Bevölkerungswachstum in den Quartieren einhergehen, da die zuziehenden Haushalte oftmals wesentlich mehr Wohnfläche beanspruchen als die alteingesessenen.

Da der Wohnraum in diesen "angesagten" Stadtteilen nur sehr bedingt ausgeweitet werden kann und vor dem Hintergrund einer weiter zunehmenden Bevölkerung tendenziell immer teurer wird, werden zukünftig andere Stadtteile verstärkt in den Fokus der urban geprägten Wohnungsnachfrage rücken.

Die Hamburger Stadtteile mit Zukunft
Ein typischer Stadtteil, der zukünftig deutlich an Attraktivität gewinnen wird, ist Barmbek-Nord. Mit den beiden großen Wohnbau-Projekten "Park Lane" sowie "Quartier 21", die zusammen über 1.100 Wohneinheiten umfassen, wurde für den Stadtteil, der über gute Lage- und Infrastrukturqualitäten verfügt, bisher aber eher ein "Mauerblümchen-Dasein" führte, der Startschuss gegeben. In eine ähnliche Kategorie fällt im Westen der Stadtteil Bahrenfeld, der zunehmend als "Ersatz" für Ottensen gesehen wird. Aber auch in Lokstedt, das direkt nördlich an Eimsbüttel grenzt und wo in den kommenden Jahren mehrere hundert neue, vielfach familiengerechte Wohnungen entstehen werden, gehört zu den "Hot Spots".
Andere vergleichsweise innenstadtnahe Stadtteile mit aus unserer Sicht guten Entwicklungsperspektiven sind Eilbek, das südliche Bramfeld sowie Hamm und Wilhelmsburg (letztere mit eher langfristiger Perspektive). Ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf den Wohnungsneubau ist für alle diese Stadtteile, dass die größten Nachfrageüberhänge im mittelpreisigen Bereich bestehen und entsprechend hier neue Wohneinheiten gute Marktchancen haben (Neubaumieten: 10-12 €/m², ETW bis ca. 3.250 €/m²). Das mittlere Marktsegment, auch im Bereich der Eigentumswohnungen, bietet in Hamburg mittelfristig genauso gute Potenziale wie das Hochpreissegment, das in manchen Stadtteilen auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise inzwischen seinen Zenith überschritten haben dürfte.


 
Diskutieren Sie mit Matthias Klupp und weiteren Experten am 10. September 2009 beim Wohn-Dialog "Wohnungsmarkt Hamburg: Wenn Wachstum zum Problem wird. Angebot = Nachfrage, aber wie?"
 


Autor: Matthias Klupp, Geschäftsleitung, Analyse & Konzepte GmbH, Hamburg E-Mail

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