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INSIGHT Nr. 4, Dezember 2011
Dauerbrenner Demographie: Caring Community auch in der Immobilienwirtschaft?
 Claudia Remus Heuer Dialog GmbH
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Niemals war es wichtiger, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen als heute! Der Begriff der Caring Community beschreibt treffend dieses Prinzip. Er berücksichtigt die Grenzen der Pflegeversicherung und schließt alle (immobilienrelevanten) Disziplinen ein. Büromarkt und Quartiere stellen sich neu auf, neben intelligenter Technik und kluger Standortwahl ist soziales Engagement unabdingbar. Wenn die Unternehmen mitspielen, der Jugendwahn endlich ein Ende nimmt, Wohnquartiere natürlicher Lebensraum für alle sein dürfen, dann sind auch zeitgemäße und praktikable Lösungen zum Greifen nah! Claudia Remus, Projektmanagerin bei Heuer Dialog, fasst den 2. Jahreskongress Demographic Challenge vom 9. und 10. November 2011 in Frankfurt für Sie zusammen.
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Der Büromarkt von morgen
Der erste Informationsblock über die Anforderungen des Büromarktes von morgen erfasste viel mehr als nur den reinen Flächenbedarf. Ludger Baba, Vorstand bei der empirica AG, lieferte die Zahlen und mahnt, dass die regional differenzierte Entwicklung gutes Augenmaß und Vorsicht bei den Investitionen erfordern. Die Lage als Imagefaktor aber auch die Qualität der Infrastruktur sichere die Bindung an das Unternehmen durch die Zufriedenheit der Betriebsangehörigen.
Arbeitskräfte wachsen nicht in ausreichender Anzahl nach, umso wichtiger ist es, attraktiv zu sein für die Angestellten. Dies ist zu leisten mit Unternehmenskultur, vorteilhaften Angeboten wie einem günstigen Bürostandort für Erledigungen, Nähe zu oder auch Integration von Kindertagesstätten, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Damit ist es allerdings noch nicht getan, die Einbeziehung von Pflegeeinrichtungen ist im Moment zwar noch Zukunftsmusik, dennoch gesellschaftlich und wirtschaftlich in absehbarer Zeit ein absolutes Muss! Arbeit und Privates vermischen sich in den Zeiten der permanenten Erreichbarkeit ohnehin immer mehr. Viele kleinere Unternehmen können diese Angebote nicht aus eigener Kraft machen. Hier bietet das Prinzip der Vernetzung und der Clusterbildung die Chance, diese Offerten für die Mitarbeiter wirtschaftlich zu bündeln und damit zu realisieren.
Das Quartier Quartiere werden und müssen sich verändern. Ist dies aber in allen Fällen möglich? Dennis Kümmel, Rechtanwalt bei FPS zeigte an den bundesrechtlichen Vorgaben die Möglichkeiten bei der Standortwahl von Pflegeheimen. Interessant ist hierbei, dass Pflegeheime zum Wohnen im planungsrechtlichen Sinne gehören und auch in reinen Wohngebieten errichtet werden dürfen. Das ist deshalb so wichtig, weil die Bereiche Wohnen und Pflege zukünftig viel enger miteinander verzahnt werden müssen.
So lange wie möglich zu Hause bleiben: Der Trend ambulant vor stationär führt dazu, dass Wohnungsgesellschaften sich mit dieser Entwicklung proaktiv auseinandersetzen müssen. So macht beispielsweise die Deutsche Annington ihren Mietern umfassende Beratungsangebote, die auch die Bündelung von individuell buchbaren Serviceleistungen einschließt und dadurch bezahlbar macht. Die degewo AG in Berlin geht mit ihrem innovativen Konzept im Quartier Mariengrün noch einige Schritte weiter und bezieht mit ihrem Produktkonzept Generationenwohnen sämtliche Lebensphasen dergestalt mit ein, dass die Bedürfnisse aller ihrer Mietergruppen umfassend abgedeckt sind und dadurch auch die Fluktuation minimiert wird.
Dr. Maik Plischke, Geschäftsführer des Braunschweiger Infomatik- und Technologiezentrums, macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass für ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden die Grundlagen in Form von technischer Unterstützung in der Wohnungswirtschaft noch nicht in ausreichender Form implementiert sind. Dabei geht es seiner Meinung nach weniger um die Visionen, als vielmehr um das bereits technisch Machbare!
Gesellschaftliche Verantwortung Ein weiterer Schwerpunkt zeichnete sich frühzeitig ab und zog sich wie ein roter Faden durch viele Bereiche. Elmar Lieser, Leiter des Sozialmanagements der GAG Imobilien AG, unterstrich, dass bürgerschaftliches Engagement aus der Wohnungswirtschaft nicht mehr wegzudenken ist und zeigte an Hand von Projektbeispielen das Gelingen in der Praxis. Die enge Zusammenarbeit mit professionellen Organisationsstrukturen holt diese Ansätze aus der Ecke der wirklichkeitsfernen Sozialmärchenwelt.
Professor Andreas Kruse, Institutsdirektor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, machte mit einen leidenschaftlichen Plädoyer die Wichtigkeit der Mitverantwortung jedes Einzelnen in der Gesellschaft sehr deutlich. Seine Autorität, Kompetenz und Authentizität gaben dieser Ansprache eine Wahrhaftigkeit, die bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.
Standen bislang in der Diskussion um die Folgen des demographischen Wandels vor allem die negativen Auswirkungen des Alterns und die Belastungen der Sozialsysteme im Mittelpunkt, so zeigte er Wege aus dem unvermeidbar erscheinenden Zusammenbruch des Systems in absehbarer Zeit. Der Schlüsselbegriff ist die Caring Community, die jeden Einzelnen zur (Mit)Verantwortung zieht. Durch aktives Engagement und beim Dienst am Menschen werden nicht nur die Sozialkassen entlastet, deren Kapazitäten eigentlich schon zum jetzigen Zeitpunkt ausgereizt sind. Die Pflegeversicherung basiert tatsächlich auf dem Prinzip der Subsidiarität, das ausdrücklich die natürlichen Netzwerke der familiären und außerfamiliären Pflege einbezieht. Es sind hier nicht nur die Familienangehörigen in ihrer Doppelfunktion als Arbeitnehmer und Angehörige gefragt, sondern ebenso die Unternehmen, die nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung ermöglichen müssen, sondern eben auch die Vereinbarkeit von Arbeiten und Pflegen. Auch der Trend „ambulant vor stationär“ wird von diesem Gedanken getragen. Ganz wichtig und viel zu wenig beachtet wird, dass, egal ob ambulant oder stationär, die Bemühungen um Rehabilitation den Allgemeinzustand der Patienten erheblich verbessern und damit die Betreuungsleistungen auf erfreulich nennenswerte Art und Weise reduzieren werden können. Weiterhin trägt die aktive Einbindung der Senioren in soziale Hilfsstrukturen und das daraus resultierende und folgerichtige Gefühl, ein wichtiger und nützlicher Teil der Gesellschaft zu sein, wesentlich zu ihrer Zufriedenheit und damit nachgewiesenermaßen zu Gesundheit auch in höheren Lebensaltern bei. So ist dieser Handlungsansatz für unser Sozialsystem und jeden Einzelnen in doppelter Hinsicht ausgesprochen segensreich!
Die Zukunft der Pflegeheime Der Wettbewerb der Kommunen untereinander und deren Versuche, die Schrumpfung aufzuhalten oder sogar Wachstum einzuleiten, nimmt dann groteske Züge an, wenn die Anwesenheit von Pflegeheimen nicht nur nicht erwähnt, sondern regelrecht verschwiegen wird. Man könnte ja in den Verdacht geraten, zu den Verlierern zu gehören, die sich mit dem Thema Überalterung herumschlagen müssen. Dabei wird zukünftig etwas ganz anderes auf den Plan gerufen: Kleinteilige Investments, kleine Pflegeeinheiten, die dann aber im Quartier in einem gesunden Mischungsverhältnis angesiedelt sein sollten. Das bedeutet, dass das Alter überall stattfindet. Praktische Beispiele für gut funktionierende Lösungen lieferte hierzu Eckhard Feddersen, Geschäftsführer von feddersenarchitekten.
Aber wenn Menschen solange wie möglich zu Hause leben wollen und dies mit entsprechenden Strukturen, sozialer und technischer Unterstützung auch immer häufiger und länger möglich gemacht wird, hat das klassische Pflegeheim dann überhaupt noch eine Zukunft? Dazu sagte Frank Löwentraut, Geschäftsführer der Avivre Consult GmbH: „Es ist unstrittig, dass Deutschland in den kommenden 20 Jahren mindestens 200.000 zusätzliche Plätze in Pflegeheimen benötigt. Ob es allerdings die Pflegeheime nach heutigen Anforderungen sein werden ist fraglich. Sicher ist auch, dass es zu Konsolidierungen in der Betreiberlandschaft kommen wird, insbesondere bei den privaten Betreibern, deren Marktanteile steigen werden. Investitionen in Pflegeheimimmobilien sind krisenfest, dass zeigen Belegung und Ertragskraft in der derzeitigen Finanzkrise“.
Fazit Der demographische Wandel wird uns noch weiterhin beschäftigen und wir werden noch viele Aufgaben lösen müssen. Schon allein die Tatsache, dass die Jungen von heute die Alten von morgen sind und durch eine andersartige Sozialisierung ihrer Kohorte ein divergentes Nutzerverhalten an den Tag legen werden, macht die Beschäftigung mit den jeweiligen Zielgruppen so enorm wichtig. Es ist zu jeder Zeit wichtig, seine Kunden genau zu identifizieren und deren Bedürfnisse zu ermitteln, um tatsächlich marktgerechte Produkte zu entwickeln.
Den Banken fällt in diesem Spiel eine wenig dankbare Rolle zu. Durch den ständigen Druck, Cashflow erzeugen zu müssen, werden langfristige Entwicklungen häufig ausgebremst, es fehlt der lange Atem für durchgreifende und vor allem nötige Prozesse!
Fragen, wie z. B. Quartiere in schrumpfenden Märkten zu Gewinnerquartieren werden, welcher Umgang sich in Eigentümerstandortgemeinschaften empfiehlt oder auch wie sich die Zusammenarbeit mit Kommunen und Politik zukünftig gestaltet, werden sich weiterhin stellen. Eine Tagung verändert nicht die Welt, aber sie kann Schnittstellen erkunden und die Stellschrauben identifizieren, an denen man drehen muss, um den notwendigen Veränderungsprozess fortzuschreiben.
Autorin: Claudia Remus ist Projektmanagerin bei der Heuer Dialog GmbH. Sie freut sich über Ihre Fragen und Anregungen zum „Dauerbrenner Demographie": remus@heuer-dialog.de
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