Heuer Dialog

INSIGHT Nr. 4, Dezember 2011

Es gibt noch Länder mit Top-Bonität: Zum Beispiel Finnland

Finnland ist das einzige nordische Land, das den Euro eingeführt hat. Nicht zuletzt aufgrund seiner geringen Staatsschulden sowie seiner hohen Haushaltsdisziplin gehört Finnland zu den Euroländern mit Top-Bonität. Das stellt die DekaBank in ihrer aktuellen Länderanalyse Finnland fest, die wir den INSIGHT-Lesern zur Lektüre und als Download empfehlen.  Neue Normalität oder doch bessere Jahre für die Immobilienwirtschaft? ist daher die zentrale Frage des QUO-VADIS-2012-PANEL, an dem Dr. Matthias Danne, Vorstand bei der DekaBank Deutsche Girozentrale, teilnimmt.

Länderanalyse Finnland

Volkswirtschaftliches Umfeld: Nachdem sich die finnische Wirtschaft im letzten Jahr von dem konjunkturellen Einbruch gut erholt zeigte, hat sich die Dynamik im ersten Halbjahr 2011 bereits wieder verlangsamt. Für das laufende Jahr erwarten wir ein BIP-Wachstum von 2,8%, im nächsten Jahr sollte sich die Dynamik deutlich auf 0,3% abschwächen. Im Falle einer tieferen europäischen oder gar globalen Rezession besteht für die stark exportorientierte finnische Volkswirtschaft allerdings das Risiko, wie 2009 überdurchschnittlich hart getroffen zu werden.

Kapitalmärkte: Finnland zählt trotz seiner geografischen Randposition zum Kern der Eurozone. Nicht zuletzt aufgrund seiner geringen Staatsschulden sowie seiner hohen Haushaltsdisziplin gehört Finnland zu den Euroländern mit Top-Bonität. Die Inflationsrate wird mit 3,3% in diesem und 2,5% im nächsten Jahr über dem Durchschnitt der Eurozone liegen. Dies ist auf die kräftig gestiegenen Rohstoffpreise sowie auf Steuererhöhungen zurückzuführen. Auch wenn im Zuge der Schuldenkrise Eurolands die Renditedifferenz zwischen finnischen und deutschen Staatsanleihen angestiegen ist, ist der Aufschlag im Vergleich zu den übrigen Mitgliedsstaaten sehr gering.

Büromärkte: Der Abbau des hohen Leerstands in der finnischen Hauptstadt schritt nur sehr langsam voran. Die Spitzenmiete erwies sich während und nach der schweren wirtschaftlichen Rezession als relativ stabil. Nach einem Anstieg um 3,6% im laufenden Jahr liegt sie nur noch knapp unter dem Vorkrisenniveau. Die Perspektiven für die Entwicklung der Mieten sind aufgrund des Überangebots und der allenfalls moderaten Nachfrageentwicklung gedämpft. Die Spitzenmiete in Helsinki dürfte die beiden nächsten Jahre nur stagnieren, nach 2013 sollten sich die Perspektiven wieder etwas aufhellen und moderates Mietwachstum möglich sein.

Hotelmärkte: Nach dem Einbruch 2009 hat sich die Ertragssituation am Hotelmarkt Helsinki im letzten und im laufenden Jahr leicht erholt. Steigende Übernachtungszahlen haben die Belegungsquote wieder auf Vorkrisenniveaus gehievt. Allerdings wurde dies auch mit Zugeständnissen bei den durchschnittlichen Zimmerpreisen erreicht, die dieses Jahr erstmals wieder leicht steigen dürften. Die schwächeren Konjunkturperspektiven spiegeln sich in einer Stimmungseintrübung der finnischen Verbraucher wider und werden die Hotellerie zumindest kurzfristig belasten.

Einzelhandelsmärkte: Während der Rezession erwiesen sich die Mieten in den 1a-Lagen der Großstädte als stabil und liegen teilweise bereits wieder über den Vorkrisenniveaus. Die Einzelhandelsumsätze sollten in den nächsten Jahren weniger dynamisch als in der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts wachsen. Bei einer regen Entwicklungsaktivität dürfte dies dazu führen, dass der zu erwartende Zuwachs an Shopping-Center-Flächen nicht so gut vom Markt absorbiert wird wie in den vergangenen Jahren. Daraus ergeben sich relativ trübe Perspektiven für das Mietwachstum.

Logistikmärkte: Der finnische Logistikmarkt zeigte sich zuletzt stabil. Unter modernen Liegenschaften ist der Leerstand weiterhin sehr gering. Im laufenden Jahr wurde ein deutlicher Anstieg der Neubautätigkeit verzeichnet. Der bevorstehende wirtschaftliche Abschwung sollte eine Abschwächung bei der Nachfrage nach Logistikimmobilien nach sich ziehen. Kurzfristig dürfte der Leerstand in erster Linie bei älteren Objekten steigen. Moderne flexibel nutzbare Logistikimmobilien dürften weiterhin bei Unternehmen gefragt bleiben.

Investmentfazit: Der Investmentmarkt zeigte sich in den ersten drei Quartalen umsatzschwach. Ausländische Investoren halten sich weitgehend zurück und konzentrieren ihr Engagement auf Top-Objekte im Großraum Helsinki. Die hohe Risikoaversion äußert sich in hohen Renditedifferenzen zwischen Immobilien in Prime-Märkten und solchen in sekundären Lagen. In den nächsten Jahren sollten die Renditen tendenziell wieder steigen, da die Erwartungen hinsichtlich des Mietwachstums sinken und sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern dürften. Büroimmobilien in Helsinki dürften aufgrund sinkender Kapitalwerte 2012 negative Gesamterträge verzeichnen. In der Folgezeit sollten sich die Ertragsperspektiven nur langsam aufhellen. Die derzeit ungewöhnlich hohe Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikoszenarios einer tieferen Rezession in der Eurozone erhöht auch das Risiko stärkerer Kapitalwertverluste.


Die ausführliche "Länderanalyse Finnland" des Immobilien Research der DekaBank, Ausgabe 9/2011 – 28.11.2011, steht Ihnen hier als PDF-Download zur Verfügung:
http://www.heuer-dialog.de/files/2011/insight/Deka_Laenderanalyse_Finnland.pdf


Kontakt:
DekaBank Deutsche Girozentrale
Immobilien Research
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