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INSIGHT Nr. 3, September 2011
Innenstadt vs. Großfläche – ein ewiger Widerspruch?
Standort, Fragestellung und Kundeninterviews Im November 2010 legte die GMA Ludwigsburg zwei Fallstudien zu den Auswirkungen der Ansiedlung eines IKEA-Einrichtungshauses in Freiburg und eines IKEA-Facheinkaufszentrums FEZ) in Ulm vor. Nachfolgende Ausführungen stellen die wesentlichen Ergebnisse für das FEZ Ulm vor, dass 2003 auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs ca. 1,5 km Luftlinie von der Ulmer Haupteinkaufslage entfernt eröffnet wurde. Das FEZ IKEA Ulm umfasst neben dem Einrichtungshaus IKEA weitere Fachmärkte wie Media Markt, Toy’R’Us, Küchen Arena, Praktiker, TTL, etc. Die Studie ging von drei zentralen Fragestellungen aus: 1. Welche Veränderungen der Angebotsstrukturen des Einzelhandels, insbesondere in den zentralen Einzelhandelslagen, sind festzuhalten? Neben einer Kundenbefragung mit 500 Interviews, verteilt auf die Innenstadt und das FEZ Ulm, wurde der Einzelhandelsbestand (Verkaufsflächen) im Einrichtungssegment sowie bei Spiel- und Elektrowaren im Oberzentrum Ulm und den angrenzenden Mittelzentren erfasst. Diese aktuellen Bestandsdaten wurden mit der Einzelhandelssituation vor Eröffnung des FEZ Ulm verglichen1 und geprüft, welche Angebotsveränderungen sich v. a. in innerstädtischen Lagen seit Eröffnung des FEZ IKEA vollzogen haben. Negative und positive Verkaufsflächenentwicklung Zwischen 2000 und 2010 kam es in der Ulmer Innenstadt zu einem Rückgang der Verkaufsfläche im Einrichtungssegment um ca. 1.450 m². Im Möbelsegment ist mit ca. – 4.500 m² der größte Flächenrückgang zu verzeichnen, der v. a. durch die Schließung kleinerer Möbelanbieter begründet ist. Auch bei nicht zentrenrelevanten Sortimenten, wie z.B. Leuchten und Teppiche, ist ein Verkaufsflächenrückgang zu vermerken; dieser wird v. a. durch den Wegfall zahlreicher mittelflächiger Anbieter hervorgerufen, der durch einzelne Neuansiedlungen nur z. T. aufgefangen werden konnte. Entwicklung der Verkaufsfläche im Einrichtungssegment in der Ulmer Innenstadt 2000 - 2010
![]() Im Bereich der zentrenrelevanten Sortimente ist hingegen in der Ulmer Innenstadt eine positive Verkaufsflächenentwicklung festzuhalten. Hier hat sich die Verkaufsfläche um ca. 4.050 m² vergrößert, was auf zahlreiche neue mittelflächige Anbieter, insbesondere im Bereich Haushaltwaren, Glas, Porzellan, Keramik sowie Geschenkartikel, zurückzuführen ist. Hier spielen neue Betriebsformen wie Haushaltswaren- und Heimdekorfachmärkte (z.B. Butlers) eine zentrale Rolle. Des Weiteren haben einige Einrichtungsbetriebe ihre Sortimentsstruktur dahin gehend verändert, dass heute mehr zentrenrelevante Sortimente geführt werden. In diesem Zusammenhang ist auch auf Galeria Kaufhof hinzuweisen, die ihre Abteilung für Haushaltswaren und Geschenkartikel sowie Heimtextilien / Bettwaren in
den vergangenen Jahren deutlich vergrößert hat. Die positive Entwicklung dieser Sortimente hängt auch stark mit der gesamten Leistungsfähigkeit des Handelsplatz Innenstadt Ulm zusammen. Die Ulmer Innenstadt wird durch einen vitalen Mix von großflächigen (Textil-) Kaufhäusern, Fachmärkten und kleinteiligem Handel geprägt. In der Innenstadt von Ulm wurden in der vergangenen Dekade eine Vielzahl von Investitionen durchgeführt; die Überbauung der Neuen Straße mit einer besseren Verknüpfung von Rathaus- und Münsterbereich hat den Einzelhandelsstandort aufgewertet, was zahlreiche Investitionen im Zentrum initiierte. Marktchancen durch Wettbewerbsdruck In der Gesamtbetrachtung ist festzuhalten, dass der Wettbewerbsdruck auf innerstädtische Einzelhandelslagen und die dort ansässigen Fachgeschäfte durch die Randsortimente des IKEA-Einrichtungshauses tendenziell erhöht wird. Dennoch ist festzustellen, dass in Ulm die Verkaufsfläche in diesen kritischen Sortimenten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Anhand der Veränderungen der Verkaufsflächen in der Innenstadt kann nachvollzogen werden, dass dies nicht zu einem Ausbluten geführt hat – im Gegenteil: Neue Anbieter haben Marktchancen genutzt. Als ein Ergebnis der Kundenbefragungen ist festzuhalten, dass IKEA in den Sortimentsbereichen Lampen / Leuchten, Heimtextilien / Matratzen / Bettwaren, Teppiche und Möbel der bevorzugte Einkaufsort ist. Bei den Sortimenten Haushaltswaren, Geschenkartikel, Spielwaren und Elektrowaren ist die Ulmer Innenstadt auch heute noch der bevorzugte Einkaufsort der Kunden, trotz der umfangreichen Angebote im FEZ. Der gesamte Handelsplatz Ulm hat durch die Ansiedlung des FEZ IKEA an Bedeutung gewonnen; insbesondere ist die Marktdurchdringung ins Umland gestiegen: So gab mehr als ein Viertel der Befragten an, heute häufiger in Ulm einzukaufen als vor Eröffnung des FEZ IKEA. Im Kerneinzugsgebiet sagten ca. 17 % (Ulm) bzw. 24 % (näheres Umland) der Befragten, dass sie häufiger in Ulm einkaufen würden; bei den Befragten aus dem Ferneinzugsgebiet (weiteres Umland) lag der Anteil sogar bei 38 %. Rund 44 % der Befragten gaben an, immer oder zumindest manchmal den Einkauf im FEZ IKEA mit einem Besuch der Innenstadt Ulm zu verbinden. Die Bereitschaft zum Besuch beider Einzelhandelsstandorte nimmt mit zunehmender Entfernung des Wohnortes zu. Somit kann IKEA in gewissem Rahmen zu Kundenzuführeffekten v. a. aus weiter entfernt gelegenen Räumen führen, die ansonsten nicht oder seltener in die Innenstadt Ulm gefahren wären, was sich positiv insbesondere auf Handel und Gastronomie auswirken kann. Autor:
Armin Michaely Geschäftsführer und Leiter Expansion
IKEA Verwaltungs-GmbH Veranstaltungshinweis:
Armin Michaely spricht am 13. Oktober 2011 beim 3. Deutschen Fachmarkt-Immobilienkongress 2011 in Wiesbaden. Das Thema:
Innenstadt vs. Großfläche – Ein ewiger Widerspruch?
Weitere Themen und Sprecher im Programm (PDF).- Die Perspektive von IKEA - Standortentscheidung – Eine Konzeptfrage? |
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