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Grünes Einkaufen im grünen Gebäude30.07.2010
Wie sehr wir doch schon diesen hippen, tollen englischen Begriffen erlegen sind. Wie sehr diese doch an sich schon ein wenig Rückendeckung und Alibi geben. Grünes in grünen Gebäuden einkaufen … meine Oma hätte da an den Einkauf von Gemüsegurken und Salat in einem grün angestrichenen Handelshof oder Tante-Emma-Laden oder an einen grün gestrichenen türkischen Gemüsehändler gedacht. Bei „green shopping im green building“ können einem solche Gedanken persé ja nicht kommen. „Einkauf von ökologischen, fairen und nachhaltigen Dingen in einem energieneutralen wie effizienten, fair und nachhaltig errichteten Gebäudekomplex“ klingt auch irgendwie sperrig. Ich frage mich vor allem: Ist es das, was ich will? Ist es das, was zur Zukunftsfähigkeit unserer Welt beiträgt? Die sinnhafte und zukunftsfähige Krönung des Konsums? Oder ist das wieder nur so ein Trend, etwas Grüngewaschenes, um dem Prosumenten das reine Konsumieren möglichst weiter schmackhaft zu machen? Überhaupt … zukunftsfähig ist doch viel sinnhafter als nachhaltig … oder? In der Tat gibt es wohl mehrere Sichtweisen auf das Thema: Die reine Sicht auf die Art und Weise wie das Gebäude wo errichtet ist – ist eine. Die Waren, die in diesem Gebäude gehandelt werden die andere. Eine andere. Aber es gibt noch mehr: Wie kommen die Kunden zum Gebäude hin? Wie passt sich der Neubau in sein Umfeld ein? Wie und mit was erfolgt die Energiebelieferung? Liegt dem Verkaufskonzept ein kooperativer Ansatz zugrunde? Überhaupt: Geht es um rein von Gewinnmaximierung getriebene Motive, oder ist da mehr? Wie ist der Umgang mit den Angestellten, wie das Lohnniveau? Ist der Ansatz gegenüber vergleichbaren Ansätzen, das heißt konventionellen Einkaufszentren, überhaupt finanziell und konzeptionell konkurrenzfähig? Fragen über Fragen … Sicher ist, dass wir in einem solchen Themenkomplex sicher nicht darüber sprechen brauchen, ob einzelne Einzelhändler 10-20% ihres Sortiments jetzt in Bio-Qualität anbieten. Und sicher kann es auch nicht um ein großes Solarzellenfeld auf dem Parkhaus des Komplexes gehen. Auch nicht um einen grünen Stromlieferanten. Das den angestellten Menschen der Mindestlohn gezahlt wird, davon gehen wir selbstverständlich aus. Ebenso setzen wir die Vermeidung von Plastik, die Nutzung von FSC-Papieren und Bio-Farben, den CO2-neutralen Druck aller Kommunikationsmittel, Energiesparlampen aller orten und den durchgängigen Einsatz von recyclingfähigen Stoffen (besser noch: cradle-to-cradle) voraus. Diese Feststellungen zeigen deutlich, dass es bei einem solchen „grünen“ Ansatz nicht darum geht Altes in Teilen neu zu erfinden oder eben mit einer anderen, neuen Farbe zu lackieren – es geht um viel, viel mehr. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von neuem Denken in neuen Strukturen … alter Wein in neuen Schläuchen mit neuen Etiketten ist unsere Sache nicht. Vielleicht auch ein Grund, warum die Ansätze der Die Zunft AG auf der kommenden, gleichnamigen Veranstaltung in Hamburg im September unter der Überschrift „Die Andersmacher“ geführt werden. Kein Parkhaus – wir möchten, dass die Menschen möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. Ein Standort in der City, nicht auf der grünen Wiese – auch der Anbindung wegen. Kein (Grün-)Flächenverbrauchendes Bauen – wir entwickeln und nutzen in unseren Ansätzen bestehende, teils vom Verfall bedrohte Industriedenkmäler, die zu Tausenden in Europa zu finden sind. Identität – nicht nur grün angestrichene Fassaden mit seelenlosen, ja klinischen Gestaltungen. Faire Kooperation zwischen Herstellern, Anbietern, Betreiber und Kunden – nicht reine, plumpe Gewinnmaximierung. Nicht auf Konsum setzend – vielmehr den Kunden beim Wandel vom Konsumenten zum Prosumenten hin unterstützend. Sinnstiftend mit der Schaffung von Sinnmärkten und Sinnorten – eben durch die glaubhafte Beantwortung der o. g. und weiterer Fragen. Re-Innovation alter Traditionen, Ansätze, Fertigungstechniken und alter Orte – statt vermeintlicher grüner Innovation. Wir versuchen es in der Tat anders zu machen, aber auch das ist nicht perfekt: Der effiziente Umgang mit Energie – im Form z. B. von Wärmedämmung und Solarzellen auf dem Dach – ist in einem Industriedenkmal aus bautechnischer und Denkmalschutz Sicht nicht einfach. Auch ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten, weil es ein neuer, anderer Ansatz ist, der erst einmal Zeit braucht und sich zu beweisen hat. Mit der ersten Zunft[halle], der ehemaligen Arminiusmarkthalle in Berlin-Moabit, die im November 2010 eröffnet werden wird, sind wir angetreten diesen Beweis unseres Konzeptes zu erbringen. Von den Hintergründen und der konkreten Umsetzung des Projektes Arminiusmarkthalle wird Ihnen Christoph Hinderfeld in seinem Vortrag auf der bereits erwähnten Veranstaltung von Heuer-Dialog „green shopping im green building?!“ am 09. September in Hamburg berichten. Autor: www.die-zunft.de Heuer Dialog informiert Sie wöchentlich über neue Themen, Termine und Trends. |
DownloadProgramm zum Handels-Dialog "green schopping im green building?!" am 09. September 2010 in Hamburg |

