Heuer Dialog

Die Flächenkonferenz in Essen

27.01.2012


Hans-Jürgen Best
Der Lebenszyklus von Immobilien rückt hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Nutzbarkeit zunehmend stärker in das Blickfeld. Das betrifft die einzelne Immobilie, im gesamtstädtischen Kontext aber auch ganze Quartiere, Siedlungen und vor allem öffentliche Infrastruktureinrichtungen. Bei den Letztgenannten liegt eine primäre städtische Verantwortung, zumal hier eigene Interessen massiv betroffen sind.

Im Mai 2010 tagte dazu zum ersten Mal die Flächenkonferenz nach dem Leipziger Vorbild. Bis Ende 2011 ist sie zehnmal zusammengetreten.

Anlass zur Einführung dieses Instruments ist der anhaltende demografische Wandel in der Stadt Essen, der sich in einem Rückgang der natürlichen Bevölkerungsentwicklung äußert und nicht durch Zuwanderungen kompensiert werden kann. Eine schrumpfende Bevölkerung und eine veränderte demografische Altersstruktur benötigt weniger kommunale und private Infrastruktur als eine wachsende oder zumindest stabile Einwohnerschaft. Die Infrastrukturausstattung der Stadt Essen war einmal für über 700.000 Bürger ausgelegt, mittlerweile bewegt sich deren Zahl um die 570.000. Aufgabe von Grund- und Hauptschulen, Sportstätten, Bädern, Bibliotheken, aber auch vor allem von Kirchen und kirchlichen Liegenschaften ist die Folge. Gleichzeitig entstehen durch gesetzliche Vorgaben für die U-3-Betreuung neue Rechtsansprüche, die kurzfristig auch an neuen Standorten zu befriedigen sind. Insgesamt ist allerdings ein Rückzug von Infrastruktureinrichtungen an über 100 Standorten in der Stadt fest zu stellen.

Daraus formuliert sich für die Verwaltung die Aufgabe konzeptionell sinnvoll, vorausschauend und insbesondere koordiniert im Sinne der Stadtentwicklung mit diesen Flächen umzugehen. Ressortentscheidungen müssen stärker in einen übergeordneten Zusammenhang gestellt werden, um angemessene Einzelentscheidungen über eine Einrichtung treffen zu können. Im Licht des Stadtentwicklungsprozesses Essen Perspektive 2015+ sollen Standortdispositionen auf ein höheres Qualitätsniveau gehoben werden, um die Grundfrage des STEP auch an dieser Stelle zu beantworten, wie sich die Stadt unter den beschriebenen demografischen und restriktiven finanziellen Rahmenbedingungen dennoch weiter positiv entwickeln kann.

Zu diesem Zweck tagt die Flächenkonferenz etwa alle 2-3 Monate unter der Geschäftsführung des Amtes für Stadtplanung und Bauordnung. Teilnehmer sind Stadtämter, Eigenbetriebe und städtische Gesellschaften, die Flächen und Einrichtungen besitzen und betreiben bzw. Entwicklungsinteressen vertreten: Büro für Stadtentwicklung, Beteiligungsmanagement, Kämmerei, Schulamt, Immobilienwirtschaft, Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement, Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster, Kulturbüro, Amt für Soziales und Wohnen, Jugendamt, Grün und Gruga Essen, Sport- und Bäderbetriebe Essen sowie die Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Sämtliche aufgegebene und absehbar aufzugebende Standorte wurden in der Geodateninfrastruktur (GDI) erfasst, die in einer Datenbank Grafik- und Sachdaten bereitstellt und für die Teilnehmer der Konferenz zugänglich ist. Kontinuierliche Datenpflege sichert die Aktualität der GDI. Die Verfügbarkeit und grafische Verknüpfung der Objektdaten hebt das Informationsniveau und befördert schnellere Entscheidungen.

Die von den Teilnehmern gemeldeten Flächen werden nach ihrer Behandlung kategorisiert. Ziel ist es, nach Klärung aller Umstände rasch eine abgestimmte Nachnutzungsempfehlung auszusprechen, die dann dezentral von den Geschäftsbereichen in eigener Verantwortung umgesetzt werden muss. Prioritär sind Flächen mit hohem Entwicklungpotenzial und/oder hoher Dringlichkeit. Nicht jeder Fall ist automatisch für die Flächenkonferenz relevant. Flächen oder Gebäude, die z. B. aufgrund ihrer Größe keine erkennbare Bedeutung für die Stadtentwicklung haben, werden nicht weiter behandelt und in die Bearbeitung der zuständigen Verwaltungseinheit zurück gegeben.

Bislang wurden etwa 35 Flächen in die Konferenz eingebracht und behandelt, für ca. 10 Flächen eine Nachnutzungsempfehlung ausgesprochen. Da diese i. d. R. über gute Lagequalitäten im Siedlungszusammenhang verfügen, lassen sich z. B. entsprechende  Wohnungsbaupotenziale generieren, deren Vermarktungserlöse der Stadt Essen zufließen. Einige Standorte erfordern die Aufstellung eines Bebauungsplans.

Die Flächenkonferenz wird absehbar eine Daueraufgabe bleiben und dazu beitragen in der Stadt Essen Lebensqualitäten zu erhalten und zu erhöhen.


Autor:

Hans-Jürgen Best
Stadt Essen
Stadtdirektor
Geschäftsbereichsvorstand Planen


Immobilien-Dialog

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Das Ziel ist klar definiert: Essen als lebenswerte Metropole mit attraktivem Immobilienmarkt. Auf diesem Weg sind schon Schritte unternommen worden, aber weitere Anstrengungen sind nötig! Große Handelsunternehmen haben bereits die Zeichen der Zeit erkannt und setzen mit der Anmietung großer Flächen auf die Einkaufsstadt Essen. Der Wohnungsmarkt bietet ebenfalls viele Entwicklungschancen, aber hier gibt es eben auch dringenden Handlungsbedarf. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkaufsmöglichkeiten ist sicherlich wichtig, darf aber nicht isoliert betrachtet werden. Es gilt auch Flächen für neue Quartiere zu entwickeln. Gute Beispiele wie die grüne Mitte gibt es bereits, aber das reicht bei weitem noch nicht aus. Wie lässt sich beispielsweise der Essener Norden so aufwerten, dass zuzugswillige Neubürger auch hier anspruchsvollen Wohnraum vorfinden? mehr
Termin: 15.02.2012, Essen

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