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Denkmalschutz und Energieeffizienz am Beispiel eines Zentralumspannwerks
Inspired by the past built for the future 20.08.2010

Beate Schneider
Osika Projektentwicklung GmbH
| Nachhaltige Sanierungen sind ein Segen für das Sozialgefüge der Stadt
Ökologie aus Prinzip verfolgen nur wenige Projektentwickler. Der Ludwigshafener Projektentwickler Osika, der weltweit mit zahlreichen Nachhaltigkeitspreisen für seine Projekte ausgezeichnet wurde, tut das und noch mehr. Beate Schneider von Osika beschreibt für das Heuer-Netzwerk ökonomische, ökologische und soziokulturelle Aspekte in deren Umsetzung. Sie zieht dabei ein ehemaliges Zentralumspannwerk heran. Lesen Sie mehr in ihrem folgenden Beitrag: Zukunftsfähige und zukunftsbeständige Stadtentwicklung ist die Basis für die Revitalisierung von Innenstädten mit historischer Bausubstanz.
Geprägt werden die Altstädte von ihren historischen Gebäuden, Plätzen, Gassen etc. Diese meist denkmalgeschützten Gebäude überzeugen mit ihrem Flair, den schön gegliederten Schmuckfassaden, den hohen Räumen, den Treppenhäusern und Innenhöfen. Aber unter der Prämisse Klimaschutz und Energieeinsparung sind Altbauten nicht mehr konkurrenzfähig. Mit der heutigen Technik kann jeder Neubau zu einem Passivhaus errichtet werden. In Deutschland verursachen Gebäude 1/3 des Energiebedarfs.
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Ziel ist das Erhalten der denkmalgeschützten Bausubstanz unter ökologischen Grundsätzen mittels nachhaltiger Sanierung im Niedrigenergiestandard unter Einsatz neuer Technologie. Dies erfordert Innovation beim Bauen, insbesondere im Wohnungs- u. Städtebau. Planen und Bauen auf qualitativ hohem Niveau, zukunftsorientiert weiterzuentwickeln sind die Wege erhaltender Stadterneuerung.
In der nachhaltigen Sanierung von Altbauten steckt ein riesiges energetisches Einsparpotential; die gebaute Architektur stellt bereits eine gespeicherte materielle Ressource dar. Ein sauberes, begrüntes Umfeld wirkt freundlich, lädt ein, vermittelt Ruhe und Behaglichkeit.
Wohnen beginnt wortwörtlich auf der Straße.Die Hauseingänge, die Treppenhäuser sowie die Innenhöfe sind die Visitenkarten der Häuser. Betonwüsten oder kleine Gärten als kommunikative Orte, die Auswahl fällt eigentlich nicht schwer. Deshalb ist die energiesparende Sanierung im Rahmen der nachhaltigen Stadtentwicklung in Altstädten und innerstädtischen Quartieren von größter Bedeutung. Auf was zu achten ist, wird im Folgenden am Beispiel der Umnutzung und nachhaltige Sanierung eines unter Denkmalschutz stehenden, ehemaligen Zentralumspannwerks und Verwaltungsgebäudes in 51 zukunftsweisende, bedarfsgerechte Wohneinheiten. Lutherstraße 5-11c, Ludwigshafen am Rhein Das ehemalige Zentralumspannwerk, erbaut 1929 ist ein viergeschossiger, unter Denkmalschutz stehendes Gebäude mit ca. 4700 m2 Wohn- und Nutzfläche ( nach Sanierung). Ornamental eingesetzte Backsteine schmücken die halbrunden Treppenhaustürme; allegorische Relieffiguren flankieren die Toreinfahrt. Positive Auswirkung auf das soziale Gefüge der Stadt
Städte sind konfrontiert mit vielen neuen Aufgabenstellungen in Bezug auf den Klimawandel, den demographischen Wandel und die heterogene Nachfrage innerhalb der einzelnen Regionen in der die Städte liegen. Zu bewältigen ist dies nur in vernetzten Strukturen mit vielen Akteuren der Verwaltung, der Privatwirtschaft, der Bewohner, etc.
Hinter den Eckwerten der Bevölkerungs - und Haushaltsentwicklung bis 2025, herausgegeben in einem Bericht des BBSR 01/2010, verbergen sich vielfältige Veränderungsprozesse, insbesondere hinsichtlich der Internationalisierung der Bevölkerung, der regionalen Verteilung sowie der Alters - und Größenstruktur der Haushalte. Die pro Kopf Quadratmeterzahl mit weiter zu, junge Personen ziehen in die Nähe ihrer Arbeitsplätze und bevorzugen das urbane Leben, ältere Menschen on Singles oder Paare entdecken die Stadt wieder, aufgrund der kurzen Wege etc. Familien mit Kindern möchten nach Umfragen gerne weiter in der Stadt wohnen, sofern das Angebot für die Kinder für gut befunden wird; d.h. gute Kindergärten, Grundschulen, Kinderbetreuung, Freizeitgestaltung, sichere Wege, die die Kinder je nach Alter alleine bestreiten können. Angebote für Vereinbarkeit von Beruf und Familie - gerade für das Gros von allein erziehenden Personen - werden hoch eingestuft. Die meisten Parameter die für Kinder wichtig sind, sind es auch für ältere Menschen; Sicherheit, kurze Wege, gute Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, gute Angebote der Freizeitgestaltung und der ärztlichen Versorgung und Pflege. Barrierefreie Zugänge vieler Einrichtungen und des öffentlichen Raums sowie in den Wohnanlagen.
Die Konversion des ehemaligen Umspannwerks lässt es zu, dass im privaten begrünten Innenhofbereich ein kleines Haus (154 m2 Fläche) entsteht, das der Gemeinschaft dient. Neben 2 Gästezimmern mit Bad und Kochnische wird ein multifunktionaler Raum mit Zugang zu einer 40 m2 Terrasse errichtet. Dieser meeting point kann so ziemlich alle Services erfüllen, die die Bewohner gerne wünschen, ob in Eigenregie oder über fremde Dienstleistungen. Die Wohnungen sind durch Aufzüge barrierefrei erreichbar, Balkone ergänzen den Wohnkomfort und die Flexibilität, Grundrisse ohne großen Aufwand verändern zu können, lässt ein langlebiges Wohnen zu. Hier passt sich der Grundriss den Bedürfnissen der Bewohner an, nicht umgekehrt. Unterschiedliche Wohnungsgrößen sorgen auch für den Mix der Generationen. Nachhaltige Sanierung
- Ökonomie, Ökologie und soziokulturelle Aspekte in Stichpunkten - Bewahren des baukulturellen Erbes - Bewahren der Identität des Standortes - Nutzung der „grauen Energie" d.h. der Ressource Altsubstanz - Nutzung der vorhandenen Infrastruktur - hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bei den Grundrisslösungen - Barrierefreiheit in allen Bereichen und Geschossen durch 3 Aufzüge - Generationen-Mix gewünscht - selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter - Familien- Kinderfreundliche Planung - einladende Außenbereiche, d. h. begrünter Innenhof und geräumige Freisitze (Balkone undTerrassen) - separate Abstellplätze für ca. 80 Fahrräder; Car-sharing am Objekt - hocheffiziente Dämmung des Gebäudes von innen - neue denkmalgerechte Fenster mit hoch energieeffizienter 3-fach Verglasung - dezentrale mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung in jeder Wohnung - möglichst CO2- Neutralität während der gesamten Lebensdauer des Gebäudes - Neue regenerative Energiequellen, Solarenergie oder andere - Grauwassernutzung zur Schonung der Ressource Wasser mit Wärmerückgewinnung - Schallschutz- und Brandschutzverbesserungen - neue technische Versorgung mit komfortablen Bedienelementen - starke Senkung des Verbrauchs von Energie, Wasser, Abwasser und somit Senkung der verbrauchabhängigen Nebenkosten - gute Altersvorsorge, Wohnen unabhängig von steigenden Energiepreisen - Gästezimmer und Multifunktionsraum im Gemeinschaftshaus, Service bei Bedarf
Lage des Objektes - kurze Wege
Das Gebäude liegt innerstädtisch in unmittelbarer Nähe zu den bedeutenden Kultureinrichtungen der Stadt und somit optimal um fußläufig, mit Fahrrad oder mit ÖPNV, die Haltestellen sind nur wenige Meter entfernt, Ziele in kurzer Zeit zu erreichen. Das Umfeld ist bebaut und die Freiplätze wie Lutherplatz und Klüberplatz bleiben auch in Zukunft unverbaut. Wohnen trägt hier die Attribute urban und ruhig sowie wenig verdichtet.
Umstrukturierung
Aufgrund des langen Leerstandes und der gewerblichen Vornutzung muss ein neues Image für den Standort kreiert werden. Wohnen in bester innerstädtischer Lage bietet unvergleichliche Vorteile. Der Wunsch ruhig und urban zu wohnen lässt sich hier verwirklichen.
Die andere Art zu Wohnen
Es entstehen 51 neue Wohneinheiten in 3 von einander getrennten, kostenautarken Hausabschnitten. Die Zugänge und die Grundrisse müssen neu organisiert werden, damit ein komfortables, nahezu barrierefreies Wohnen stattfinden kann; hierzu werden 3 Aufzüge neu errichtet. Ein Mix aus Appartements, Suiten, Lofts und Penthouses in unterschiedlichen Größen mit großen Balkonen ermöglicht ein bedarfsgerechtes Wohnen aller Altergruppen. Innerhalb der einzelnen Wohneinheiten wird ein flexibles Konzept zum Tragen kommen, d.h. unter Anwendung von bereits während der Bauphase integrierten elektrotechnischen Lösungen und der Art der Installation der dezentralen Lüftungsanlagen können zusätzliche Räume von den Bewohnern ohne großen Aufwand hinzugefügt oder abgebaut werden. Die Grundrisse passen sich den Verhältnissen der Menschen an nicht umgekehrt. Zudem können je nach Bedarf diverse Services angedockt werden, damit ein lebenslanges Wohnen bis ins hohe Alter gewährleistet bleibt. Der Hofbereich wird in einen Hofgarten mit Bäumen und vertikalem Grün sowie Freisitzflächen mit hoher Aufenthaltsqualität umgestaltet. Ein einstöckiges Gemeinschaftshaus wird als Passivhaus im Hofbereich neu errichtet um neben einem Multifunktionsraum auch 2 Gästezimmer bereit zu stellen, so dass die Bewohner nicht länger eine größere Wohnung nur für das „notwendige" Gastzimmer erwerben oder mieten müssen. Das vorhandene Flachdach des Hauptgebäudes wird die Konstruktion für die neuen Dachaufbauten aufnehmen. Die Restflächen werden als Dachterrassen ausgebildet. Des Weiteren sollen Kollektoren für Solarenergie zur Warmwasseraufbereitung sowie Stromerzeugung installiert werden.
Mobilität und Verkehr
Aufgrund der innerstädtische Lage und der eingeschränkten Parkmöglichkeiten wird eine Tiefgarage für 23 PKW Stellplätze unter die ehemalige Trafohalle (innerhalb der vorhandenen Fundamtmauern) gebaut. Da insgesamt 51 Wohneinheiten vorhanden sein werden, wird in Ergänzung des Mobilitätskonzeptes ein eigenes car-sharing mit 2 E-Fahrzeugen integriert, damit zumindest der Zweitwagen entfallen kann. Ebenso gehören 120 Fahrradabstellplätze zum Konzept.
Sanierung - Energieeffizienz
Trotz des Denkmalschutzes kann der Gebäudekomplex nachhaltig und energieeffizient saniert werden. Die Fassade und die Treppenhäuser sind schützenswert. So wird an der Fassade eine Innendämmung eingebaut; die Treppenhäuser werden als kalte Bauteile vom Rest der Flächen getrennt; (die halbrund gebogenen Fenster in Metallrahmen sollen in den Treppentürmen erhalten bleiben). Die Innendämmung erfolgt mit 8 cm Mineralwolle 0,35 und einer Klimamembran sowie einer weiteren Dämmung in der Sicherheitsebene und Installationsebene von 4,5 cm Mineralwolle 0,35. Jede Einheit erhält eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung also dezentral. Die Fenster werden mit 3-fach - Verglasung ausgeführt und mit den notwendigen Teilungen und Sprossen gem. der Anforderung der Denkmalpflege versehen. Balkone werden wärmebrückenfrei an der Hoffassade angestellt. Die Neubauten (Dachaufbauten) werden als Passivhäuser ausgebildet. Somit bleibt das kulturelle Erbe erhalten und kann zukunftsweisend wieder attraktiv für gesundes Wohnen (Life of health and sustainability) genutzt werden. Die Berechnungen für den Bestand mit PHPP (Software Passivhaus Programm) zeigen einen Jahresheizwärmebedarf von 37 kWh/qm/a. Das Projekt wurde als ein dena - Modellvorhaben aufgenommen. Zur Darstellung der nachhaltigen Sanierung, Verwenden von unbelasteten Materialien und der Nutzung der „grauen Energie" - Ressource Altbau - erfolgen Berechnungen für Lebenszykluskosten LCC und Lebenszyklusanalyse LCA mit der Software LEGEP z.B. zur Feststellung der Materialströme etc.
Amortisation und Prognose
Unter der Annahme von Energiepreissteigerungen in den kommenden Jahren und den bereits in naher Zukunft eintretenden gesetzlichen Neuregelungen der EnEV und der EU - Richtlinien (Zero - Energy buildings ab 2019) amortisieren sich die Mehrkosten für eine energieeffiziente Sanierung schnell. Die Mehraufwendungen für den soziokulturellen Aspekt des nachhaltigen Bauens lassen sich in Zahlen durch langfristige Vermietung / Nutzung, keine Mietausfälle darstellen; aber der Softwert durch das Zusammenleben und langfristige Gestalten unter Wohlfühlaspekten für jeden einzelnen der Bewohner ist unbezahlbar und somit bereits vom ersten Tag an amortisiert. Conclusions Nachhaltig sanierte Gebäude leisten einen immensen Beitrag nicht nur beim Klimaschutz. Sie fördern das Zusammenleben der Bewohner auf einem gemeinsamen Niveau zu mehr Lebensqualität. Die sogenannten Lohas, people for life of health and sustainability, finden sich in allen Altersgruppen und Lebensstilen wieder.
Kontaktdaten der Autoren:
Beate Schneider Klemens Osika Osika Projektentwicklung GmbH, Ludwigshafen info@osika.de
Immobilien-Dialog Konversionen für neue Stadtqualitäten - Wie geht das?
Konversion braucht den Ideenaustausch – neue Stadtteile werden geplant: Eine Menge Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten bietet Kitzingen, inmitten des fränkischen Weinlandes. Über 400 Betten stehen dem Gast zur Verfügung. Darüber hinaus bietet die Stadt ca. 400 Hektar Konversionsfläche und eine Klinik namens Kitzinger Land, die für die Zukunft plant. 100 Experten mehr werden beim Immobilien-Dialog auch ihren Ideenkoffer auspacken. mehr
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Termin: 20.09.2010, Kitzingen
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