Heuer Dialog

Was bedeutet der demografische Wandel für das Parken in Deutschland?

14.09.2009


Dr.-Ing. habil. Ilja Irmscher
GIVT Gesellschaft für Innovative Verkehrs-Technologien mbH

 

Es ist unstrittig, dass sich unsere Bevölkerungsstruktur in den nächsten Jahren wesentlich verändert. Demnach nimmt der Anteil der älteren Bevölkerung zu, wobei gleichzeitig die Gesamtanzahl der Bevölkerung eher rückläufig sein dürfte. Hierzu gibt es bereits diverse Studien, sowohl aus allgemeiner als auch aus verkehrlicher Sicht. Nimmt man nun aber den Blickwinkel Parken und den Ausgangspunkt 2009, so ist die Frage nach den Auswirkungen des demografischen Wandels ein recht komplexes Thema, das nicht abschließend exakt beantwortet werden kann. Vielmehr gilt es, mögliche Entwicklungstendenzen aufzuzeigen. Außerdem sind diese mit der sozioökonomischen Entwicklung sowie mit dem Mobilitäts- und Umweltverhalten und den zukünftigen Lebensweisen integral verbunden.

Anzahl der zu parkenden Pkw

Der Fahrzeugbestand nahm in den vergangenen Jahren immer noch zu, wobei der Anteil von Zweit- und Drittfahrzeugen mit zu berücksichtigen ist. Es ist zu vermuten, dass der Gesamtbestand an Pkw noch leicht anwächst, mittelfristig aber stagniert oder wieder etwas zurückgeht. Noch nicht klar sind die Entwicklungstendenzen bezüglich des Ausmaßes einer Koexistenz zum Beispiel von kleineren „Stadtwagen“ (city cars) und größeren Reise- und Freizeitfahrzeugen, oder ob sich im wesentlichen alle Fahrzeugnutzungen jeweils auf ein universelles Fahrzeug innerhalb der Haushalte bzw. für jede erwachsene Person konzentrieren. Die Anzahl und die bevorzugten Unterstellorte sind bei der Quantität und der Verteilung der Parkraumangebote zu berücksichtigen.

Fahrzeugabmessungen

Zumindest bis zur Finanzkrise hielt der von der Autoindustrie gesetzte Trend zu immer größeren Fahrzeugabmessungen an, der aus verschiedenen Gesichtspunkten auch von den Fahrzeugnutzern gestützt wurde bzw. wird. So werden vielfach auch höhere und Van-artige Pkw sowie SUV einfach wegen der bequemeren Ein- und Ausstiegsverhältnisse und der höheren Sitzposition erworben. Die Ansprüche älterer Autofahrer spielen dabei auch eine nicht unwesentliche Rolle. Es ist aber auch zu konstatieren, dass über alle Fahrzeugkategorien hinweg die Abmessungen der Pkw zunahmen. Als Beispiel sei hier der VW Golf als Vertreter der Kompaktklasse angeführt:

 

VW

Länge

Breite

ohne Außenspiegel

Höhe

Radstand

Leermasse

Golf I

1973

3,705 m

1,610 m

1,410 m

2,400 m

750 kg

Golf VI

2008

4,199 m

1,786 m

1,479 m

2,578 m

1,157 kg

113 %

111 %

105 %

107 %

154 %

Selbst Kleinwagen sind heute relativ breit, so dass die früher üblichen und heute noch nach den Garagen-Verordnungen der Bundesländer formal genügenden Stellplatzbreiten von 2,30 m kaum noch ausreichen. Bei der Bewertung der Stellplatzbreiten geht es nicht nur um die im Fahrzeugschein nach ISO angegebene Breite, sondern um zusätzlichen Seitenraum für die Außenspiegel (nicht in diesem Maß enthalten), zum Rangieren einschließlich beiderseitig 25 cm Sicherheitsabstand und ausreichend Platz zum Ein- und Aussteigen – je nach Türdicke und Bewegungsmöglichkeit der betreffenden Person.

 

2,30 m breite Stellplätze (links) im Vergleich zu 2,50 m breiten Stellplätzen (rechts)


Selbst die heute nach den EAR 05 (Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs) mindestens geforderten 2,50 m Stellplatzbreite erweisen sich unter . U. als eng. Daher fordern die EAR 05 auch erhebliche Verbreiterungen der Stellplätze neben aufragenden Bauwerksteilen. Stellplätze für mobilitätsbehinderte Personen sollten 3,50 m bzw. 3,95 m breit sein. Für Personen mit Kleinkindern und Kinderwagen sind Stellplatzbreiten von 3,50 m zu empfehlen, so aber formal nicht geregelt.

Zukünftig höherer Anteil mobilitätsbehinderter Personen?

Es lässt sich nun die Frage ableiten, ob wir mit dem demografischen Wandel und der wachsenden Anzahl älterer Menschen, die selbst bzw. als Mitfahrer Pkw benutzen, auch mehr mobilitätsbehinderte Menschen haben oder nicht, zumal sich ja die Medizin auch entwickelt.

Universellere Parkbauten?

Ideal wäre es, um auf diese noch nicht genau absehbaren Anforderungen optimal reagieren zu können, grundsätzlich an den Fahrgassen stützenfreie Parkbauten mit leichter Schrägaufstellung zu errichten. Dann ließe sich je nach Bedarf sowohl die Stellplatzbreite als auch die Stellplatzlänge über den Aufstellwinkel und den Abstand zwischen den Stellplätzen beliebig anpassen. Das ist gar nicht so utopisch, denn an den Fahrgassen stützenfreie Parkbauten mit Schrägaufstellung sind schon seit Jahren bekannt und in Nutzung. Jedoch wird vielfach entweder aus Unkenntnis oder aus aktuellen tragwerksplanerischen sowie Kostengründen diese zukunftsorientierte Bauweise nicht genutzt.

Kontaktdaten des Autors:

Dr.-Ing. habil. Ilja Irmscher
Geschäftsführer
GIVT Gesellschaft für Innovative VerkehrsTechnologien mbH
Pasadagplatz 3 - 4
13088 Berlin
Email: irmscher@givt.de
Internet: www.givt.de

 


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