Heuer Dialog

Auf AEG - Creating Communities

12.08.2011


Bertram Schultze
MIB Fünfte Investitionsgesellschaft mbH
 Eine mutige Vision – „Auf AEG“ öffnet sich der Stadt Nürnberg
Mit einer mehr als 90-jährigen Geschichte hat das Nürnberger AEG-Gelände mit seinem „Langen Dallmann“ das Stadtbild geprägt. Auch wenn die Bänder seit geraumer Zeit still stehen – das Leben auf AEG geht weiter. Mit der mutigen Vision, die in sich geschlossene Fabrikanlage aufzubrechen und ihr eine eigene Identität mit urbanem Charakter zu verleihen, hat die MIB Investitionsgesellschaft es geschafft, die wiedererkennbaren Leitdetails zu erhalten und dem Areal dennoch zu einem neuen, spannenden Quartiergefühl verholfen. Heute ist es gelungen, eine kritische Masse an verschiedensten Nutzungen anzusiedeln. Und es steckt noch weiteres Potential für vielseitige Nutzerstrukturen in dem innerstädtischen Industrieareal – die Vision schreitet also erfolgreich weiter voran! Wie die MIB dies geschafft hat, lesen Sie im Beitrag von Bertram Schultze, Projektleiter Auf AEG.

Wie eine kleine Stadt wirkt Auf AEG in Nürnberg.
In der Mitte Europas, im Süden von Deutschland, im Norden von Bayern und im Westen von Nürnberg liegt Auf AEG an der Fürther Straße 244 bis 254 sowie Muggenhofer Straße 132 / 135. 168.000 Quadratmeter umfasst die Grundstücksfläche des gewachsenen Fabrikareals. Die U-Bahn-Haltestellen Eberhardshof und Muggenhof liegen direkt vor dem Objekt, über den Frankenschnellweg und die Südwesttangente hat man eine hervorragende Anbindung an die Autobahnen um Nürnberg. In ca. 20 Fahrminuten erreicht man den Flughafen Nürnberg.

Im Süden grenzt das Gebiet auf einer Länge von etwa 500 Metern an die Fürther Straße. Die fünf- und siebengeschossigen Gebäude entlang dieser Straße enthalten allein Nutzflächen von rund 38.000 Quadratmetern. Hinter der klar strukturierten Fassade erschließt sich die ehemalige Fabrik mit sehr unterschiedlichen Baukörpern und verschiedenen Hofsituationen bis an die Muggenhofer Straße im Norden. Raabstraße und Ringbahn grenzen das Gelände im Osten und Westen ab. Dieser Südkomplex der AEG bildet mit seinem Charakter eines großen Produktionsbetriebes ein homogenes Ensemble. Ein innerstädtisches Industrieareal aus einem Guss. Obwohl es im Laufe der Jahrzehnte gewachsen, also immer wieder überformt, ergänzt und erweitert wurde, besitzt es eine klare architektonische Handschrift, die alle Gebäudestrukturen verbindet. Es grenzt sich erkennbar von den benachbarten Bebauungen ab und bietet eine Vielfalt an Gebäudetypen. Geschossbauten ebenso wie großflächige eingeschossige Produktionshallen. Alle Gebäude haben eine solide Bausubstanz und sind hervorragend belichtet.

Von der Muggenhofer Straße bis an den Pegnitzgrund im Norden erstreckt sich das Nordareal der AEG. Es umschließt eine Wohnsiedlung aus den 1930er Jahren und wird geprägt von der ehemaligen Logistikhalle, verschiedenen eingeschossigen Produktionsgebäuden und großflächigen Parkplatzanlagen. Als verbindendes Element zwischen Süd- und Nordkomplex überquert die ehemalige Waschmaschinenförderbrücke, der «Lange Dallmann» in 12 Metern Höhe nahezu das ganze Areal.

Entwicklung seit 2007
Im März 2007 endete mit der Einstellung der Produktion die gut 90-jährige Geschichte der industriellen Herstellung von Elektrogeräten an diesem Standort. In einem Bieterverfahren konnte unser Unternehmen, die MIB Fünfte Investitionsgesellschaft mbH, eine Firma der MIB AG das Gesamtareal von der Electrolux Deutschland GmbH erwerben. Der Kauf war mit der Rückmietung von rund 20.000 Quadratmetern sanierter und umgebauter Nutzfläche für die neue Electrolux Deutschlandzentrale verbunden und ermöglichte so den Einstieg in eine Neuentwicklung der brach gefallenen Fabrik. Der alte Eigentümer wurde damit ab April 2008 der erste neue Nutzer Auf AEG.

Insgesamt 130.000 Quadratmeter Nutzfläche standen dann aber immer noch leer. Ist eine Fabrikanlage erst einmal komplett leer, wird es sehr schwierig, sie zu revitalisieren. Keine soziale Kontrolle und mangelnde Instandhaltungen lassen einen Ort dann sehr schnell verwahrlosen. Die unterschiedlichen Gebäudetypen bieten das Potenzial zur Ansiedlung vieler verschiedener Nutzerstrukturen, und so bestand von Anfang an die Vision, Auf AEG ein Quartier mit eigener Identität, urbanem Charakter, großer Vielfalt und hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Die Anlage ist zudem aufgrund ihrer schieren Größe prädestiniert für eine Entwicklung mit besonderer Strahlkraft. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Jürgen Bisch wurde ein Masterplan für die Entwicklung des Südkomplexes erstellt. Insgesamt wurden rund 20.000 Quadratmeter eingeschossige Produktionsfläche an verschiedenen Stellen im Südareal abgebrochen. Mitunter war dies die jüngste Gebäudesubstanz, die noch in den 1980er Jahren aus dem wachsenden Bedarf an erdgeschossiger Produktionsfläche über Freiflächen und Hofstrukturen errichtet worden war. Durch den Rückbau fand eine Auflockerung der Kompaktheit statt und es entstand nun Platz für Begrünungen, für Stellplätze und öffentlichen Raum. Diese Eingriffe verliehen dem Quartier und den verbleibenden Gebäuden Licht und Luft, also Aufenthaltsqualität. Die restliche Substanz sollte erhalten werden und auch nicht durch Neubauten ergänzt oder ersetzt werden. Die Faszination der geschlossenen Fabrikanlage mit ihren wiedererkennbaren Leitdetails und industriellen Erinnerungsmarken wurde erhalten und integriert. Schnell wurde uns klar, dass die ehemalige Waschmaschinenförderbrücke vom Süd- zum Nordkomplex als Wahrzeichen der Großproduktion bleiben musste.

Neue Nutzungen
Der nächste Schritt war die Identifikation von einzelnen Lagen und Nutzungsmöglichkeiten innerhalb der Fabrik. Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Südareal mit seinen verbleibenden rund 95.000 Quadratmetern Nutzfläche. Mit der Umsetzung der Deutschlandzentrale von Electrolux wurden hier erste Erfahrungen der Umnutzung dieser Substanz gemacht. Die Erdgeschosse haben mit ca. 5,50 Metern Raumhöhe einen repräsentativen Charakter, sie sind von der Fürther Straße gut wahrnehmbar und eignen sich für Ausstellungsflächen, Einzelhandel oder für großzügige Eingangssituationen, von denen aus man die oberen Etagen erschließt. Die Obergeschosse mit etwa 4 Metern Raumhöhe eignen sich insbesondere für Büroraumstrukturen. Einzelbüros, Open Space oder auch Kombibüros können gut in die vorhandene loftartige Altbausubstanz eingebaut werden. Hier besteht eine besondere Chance, auch große Flächen anzubieten und trotz der Bebauung in der Reihe entlang der Fürther Straße individuelle Einzelhauslösungen umsetzen zu können. Im größten Gebäude an der Fürther Straße 254 befinden sich allein ca. 12.000 Quadratmeter Nutzfläche auf sieben Etagen.

Am westlichen Ende der Liegenschaft blieben zwei eingeschossige Hallen mit großen Oberlichtlaternen und je ca. 7.000 Quadratmetern Nutzfläche erhalten. In der heutigen Zeit ein sehr schwierig verwertbares Produkt, weil sich immer mehr Produktion aus Mitteleuropa verlagert und alternative Nutzungsmöglichkeiten im Bereich von Freizeit, Veranstaltung und Sport auf Niedrigstmieten bis hin zu Sponsoring angewiesen sind. Eine dieser Hallen konnten wir nach intensiven Sanierungs- und Umbauarbeiten an Siemens zur Produktion von Eisenbahntransformatoren für 15 Jahre vermieten. Eine emissionsarme Weiße-Handschuh-Produktion, die sich gut an einem Standort mit anderen Nutzungen verträgt. Nun war schon eine gewisse Vielfalt an dem ehemals monostrukturierten Standort gelungen. Handel, Ausstellungsfläche und Büros bei Electrolux und Produktion bei Siemens. Ein weiteres Ziel war und ist die kleinteiligere Durchmischung und somit auch die Erhöhung des Angebots für die schon vorhandenen Nutzer und für potenzielle Besucher.

Zeitgleich mit der Sanierung für Siemens wurde das Projekt «Zentrifuge e.V.» ins Leben gerufen. Wir stellen mit dem Erdgeschoss der Halle 14 die Fläche und Initiator Michael Schels bespielt diese mit hochwertigen kulturellen Veranstaltungen vorwiegend aus der bildenden Kunst. Inzwischen ist diese Institution eine feste Größe in Nürnbergs Kunst- und Kulturszene geworden. Ein weiterer Anker für die Kultur, der zukünftig ausgebaut werden soll, war die Anmietung eines Büros durch das Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg. Beide Nutzungen konnten in vorhandenen Strukturen ohne Investitionen etabliert werden. Unter dem Arbeitstitel «Quartier Vier» wurde 2009 dann der Gebäudekomplex um die ehemalige Halle 4 an der Ecke Muggenhofer Straße und Raabstraße mit ca. 15.000 Quadratmetern projektiert und beplant. Die Halle 4 selbst wurde abgebrochen und es entstand ein ca. 4.000 Quadratmeter großer Innenhof. In den verbleibenden umstehenden Gebäuden konnten unterschiedliche Nutzer auf Flächengrößen zwischen 200 und 1.500 Quadratmetern aus sehr unterschiedlichen Bereichen angesiedelt werden. Das Fotostudio Riese Photography, das Entwicklungsbüro Solectrix, Bechtle Systemhaus, die Alvito GmbH, das japanische Restaurant Akimoto, die Softwareentwickler CAL Consult oder die Rechtsanwaltskanzlei Schultze & Braun sowie der Edelschuh-Hersteller Hernry Kern konnten kürzlich in die für sie maßgebauten neuen Einheiten ziehen. Die Stadt Nürnberg plant zudem die Ansiedlung der Kulturwerkstatt Auf AEG im Gebäude entlang der Muggenhofer Straße mit Theaterakademie, Musikschule, Kinderkunstraum, dem Centro Espanol und dem Kulturbüro auf insgesamt 4.000 Quadratmetern Nutzfläche und wird damit das Quartier Vier schließen. Klein aber fein und ausgesprochen wichtig für die Belebung des Südkomplexes ist das neu eröffnete Café Pforte im ehemaligen Werkseingangsgebäude an der Muggenhofer Straße. Neben der Kantine bei Electrolux, die allen Bewohnern des Areals offen steht, und dem Japaner Akimoto hat das neue Quartier damit ein weiteres kulinarisches Angebot. Dort gibt es den besten Espresso und die besten Cocktails im Nürnberger Westen.

Parallel zu der investitionsintensiven Entwicklung im Südkomplex der ehemaligen AEG haben wir das Nordareal inzwischen fast zu 100 Prozent wiederbelebt. Ohne größere Investitionen und auf Basis von geringen Mieten konnte mit dataform ein Nutzer für die Logistikhalle gefunden werden. Die Räume des angegliederten Bürogebäudes wurden als Künstlerateliers vermietet. Dort arbeiten mittlerweile 78 Künstler im Bereich Malerei, Fotografie, Installation und Bildhauerei. Die eingeschossigen Produktionshallen konnten an Handwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen vermietet werden. Hier gibt es Stahl- und Metallhandwerk bei Meister Robrock, den Schreiner Raumwerk, die Natursteingalerie Moll, die Spezialwerkstatt für amerikanische Oldtimer Yankee Motors, Veranstaltungstechnik Bassline, die Firma Kabind und das erfrischende Schanzenbräu. Einmal im Monat gibt es bei Meister Robrock die umwerfende Comedy Lounge mit Matthias Egersdörfer. Ein Kulturevent der Extraklasse.
Im laufenden Jahr 2011 konnten wichtige Verträge im Handelsbereich wie in Forschung und Bildung abgeschlossen werden. Golf house hat rd. 900 qm an der Fürther Strasse angemietet. Die Friedrich Alexander Universität hat mit E-Drive und der Energieverfahrenstechnik ca. 4.500 qm im Bereich der Energieforschung angesiedelt.

Nach vier Jahren Entwicklungszeit erkennt man klar, dass hier Auf AEG tatsächlich ein neues Quartier mit eigener Identität entsteht. Es ist gelungen, eine kritische Masse an verschiedenen Nutzungen in einer ehemaligen Fabrikbrache anzusiedeln, an der noch viele weitere Nutzer andocken können.
Wir haben heute noch gut 40.000 Quadratmeter Nutzfläche für Ansiedlungsmöglichkeiten Auf AEG und somit Raum für viele verschiedene Interessenten.

 

Kontakt zum Autor:
Bertram Schultze
MIB Fünfte Investitionsgesellschaft mbH
Auf AEG
Tel.: 0911-326090-0
Internet: www.aufaeg.de


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Metropolregion Nürnberg

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Immobilienentwicklung in der Metropolregion Nürnberg: Platz für Projekte! Mitte der 90er Jahre hat Nürnberg begonnen, durch gravierende Stadtentwicklungsmaßnahmen die Metropolregion mit großen Schritten nach vorne zu bringen. So wurden die ehemaligen Produktionsstätten von Triumph-Adler, Grundig, Adtranz und AEG Elektrolux Schritt für Schritt revitalisiert. Platz für Immobilienentwicklung wurde geschaffen. Durch ein konstruktives Miteinander wirkt heute der Wirtschaftsstandort wieder stärker in die Metropolregion hinein – zuverlässig attraktiv auch für die überregionale Immobilienbranche. mehr
Termin: 20.09.2011, Nürnberg

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