Heuer Dialog
QUO VADIS

13. November 2008

"Raus aus der Krise – Wo sind die Wachstumsmärkte mit Zukunft?" ist das Thema  des Panels am 04. Februar 2009, zu dem wir auch Claus-Jürgen Cohausz, Vorstand der Westdeutschen ImmobilienBank AG, eingeladen haben. (Mehr auf Seite 05 im Programm.) Angela Rüter, Heuer Dialog GmbH, hat Claus-Jürgen Cohausz jetzt nach seinen Erfolgsrezepten gefragt:

Ein paar Jahre ging es der Real Estate Industry richtig gut in Deutschland. Momentan ist die Branche im Sog der Kreditkrise. Wie kann man sich gegen die schlimmsten Rückschläge wappnen?


Cohausz: Wenn man sich bereits mitten im Krisentaumel befindet, kann man sich nicht mehr gegen Rückschläge wappnen. Prävention ist das einzig wirksame Mittel. Man darf nie die „Bodenhaftung“ verlieren und muss Verlockungen widerstehen, zur Ertragsoptimierung, Geschäfte zu machen, die ein sehr hohes Risikopotential besitzen oder von ihrer Größe oder Komplexität her nicht zur Risikotragfähigkeit des eigenen Unternehmens passen. Gerade in Krisenzeiten ist eine solide Finanzierungsstruktur mit einer angemessenen Eigenkapitalquote und langfristigen Kreditzusagen besonders wichtig.

Werden wir einen Preisverfall der Immobilien sehen?

Cohausz: Im Vergleich zu anderen Ländern und einigen Branchen geht es der Immobilienwirtschaft in Deutschland noch nicht schlecht. Der Investmentmarkt stagnierte zwar im 3. Quartal, dies ist jedoch verständlich, weil Käufer zur Zeit abwarten, ob die Preise sinken. Zusätzlich erschwert die Finanzmarktkrise die Kreditvergabe. Mangels aussagekräftiger Transaktionen wissen wir nicht, wie sich die Immobilienpreise entwickeln werden. In jedem Fall wird es auch für deutsche Immobilien eine Preiskorrektur geben, die je nach Objekttyp und Lage auch deutlicher ausfallen kann. Einen Preisverfall, wie wir ihn in den letzten Monaten in anderen Märkten gesehen haben, erwarte ich für Deutschland nicht.

Wer tritt als Partner in der Projektfinanzierung auf? Sind es die eigenkapitalstarken Investoren oder die WestImmo?

 
Cohausz: Wir beteiligen uns im Rahmen von Immobilien-Joint-Venture-Finanzierungen unternehmerisch an Projektentwicklungen, das heißt wir teilen die Chancen und Risiken, die sich aus dem Projekt ergeben, mit unseren Kunden. Dies sind vor allem Developer, aber auch Kommunen und Bauunternehmen. Wichtig ist, dass immer der Kunde verantwortlich die Projektentwicklung steuert, die Bank begleitet und unterstützt ihn dabei – aber seine Erfahrung zählt.

Wo und was finanziert die WestImmo aktuell?

Cohausz: Die WestImmo finanziert Gewerbeimmobilien, d.h. im Wesentlichen Büro-, Handels- und Logistikimmobilien, Hotels und öffentliche Einrichtungen in Europa, Asien und Amerika. Wir gehen in unserem Neugeschäft selektiv vor und orientieren uns sehr eng an der jeweiligen Marktverfassung des einzelnen Landes. Deutliche Steigerungsraten verzeichnen wir vor allem in Deutschland, Zentraleuropa, Japan und den USA.

Die A-Städte schwächeln aktuell. Schlägt jetzt die Stunde der B-Städte?

Cohausz: Immobilien an 1a-Standorten mit bonitätsstarken Mietern bleiben attraktive Investitionsobjekte und sind gefragt, unabhängig davon, ob sie sich in A- oder B-Städten befinden. Insbesondere hochwertige Einzelhandelsimmobilien in guten Lagen profitieren von guten Renditen und Wertsteigerungsmöglichkeiten. B-Standorte haben gerade mit Blick auf die aktuelle Situation an den Finanzmärkten den Vorteil, dass sie aufgrund ihrer relativ flach ausgeprägten Immobilienzyklen auf Krisen, wie Konjunkturschwankungen, nicht so anfällig reagieren. Mieten, Kaufpreise und Leerstände verändern sich moderat. D.h. B-Städte eignen sich vor allem für langfristig orientierte Anleger mit einem höheren Sicherheitsdenken.

Unabhängig vom Investitionsstandort muss es aber das wichtigste Ziel sein, Vertrauen wieder herzustellen, damit die Finanzkrise nicht zu einer anhaltenden Kreditklemme für Immobilieninvestitionen führt und wir nicht in eine tiefe Rezessionsphase geraten, die für alle Immobilienmärkte fatale Folgen hätte.

Sehr geehrter Herr Cohausz, wir bedanken uns für das Gespräch.

 


 

Der Jahreskonress QUO VADIS, Internationale Antworten auf Stadt-, Immobilien- und Kapitalmarktfragen, findet vom 03. bis 05. Februar 2009 im Hotel Adlon Kempinski in Berlin statt.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter:
www.heuer-dialog.de/quovadis

Download Programmbroschüre 

 


Autor: Angela Rüter, Heuer Dialog GmbH E-Mail

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